11.08.2017

Das Wort zum Freitag -
Eine Hochzeit, zwei öffentliche Fälle und eine Predigt



So wie oben könnte man knapp das Pastafaritreffen in Ingolstadt und Geisenfeld beschreiben. Der Bund für Geistesfreiheit hatte uns eingeladen, und wir haben gern angenommen. Bayern ist unser mitgliederstärkstes Bundesland, und so schien es angebracht, unser Treffen auch mal dort durchzuführen. Am Ende waren dann aber doch die Mehrzahl der Teilnehmer von außerhalb. Schade, Bayern.

Die Stimmung war aber grandios. Das zeigte sich schon beim Vortrag "Das Fliegenden Spaghettimonster als gesellschaftlicher Akteuer" von Daniela Wakonigg am Sonnabendnachmittag. Die Werbung hatte funktioniert, der Raum war voll und die zwanzig mitgebrachten Bücher ihres gerade zum Thema erschienen Buches konnten den Bedarf nicht decken. Schade, dass es davon keine Bilder gibt. Falls jemand von euch welche hat, immer her damit, die werden noch nachträglich eingestellt. Alle Bilder hier sind von Daniela und Sebastian Schmidt, aber es hatten auch andere ihre Knipsen mit.

Nach dem Vortrag ging es nach Geisenfeld. Dort erwartete uns eine super vorbereitete Gartenparty. Ein würdiger Rahmen für die Hochzeit von Bruder Smutje und Frau Mahlzahn. Die Hochzeitstorte, die nicht nur phantastisch aus sah sondern auch genau so schmeckte, hatte der Smutje selbst kreiert. 




Geleitet von den Trauzeugen zog das Paar ein und war sichtlich gut drauf.



Beim Ehefähigkeitstest, bei dem der Bräutigam sein Spaghetti in die Penne der Braut einführt und übernimmt,  wurde aber leicht geschummelt. Na, macht man ja sonst auch mal.


Letztlich hat dann aber doch alles geklappt.......



...und dem Kuss, der genau so lang sein sollte, wie das Lied, das dabei gespielt wurde, besiegelte die Ehe.



Nach dem Abschlussbild wurde dann die Torte angeschnitten. Lecker......

Nach diesem ersten Höhepunkt des Abends gab es dann den zweiten, Eriks Feuershow. Die Massen waren begeistert und es gab gleich Anfragen, wie man die buchen kann. Leider fehlt uns auch hier ein Foto.

Am nächsten Morgen hatten wir eine Demo angemeldet. Die startete vor der größten Moschee Bayerns. Wir wurden von zwei Polizisten begrüßt, die ziemlich gut drauf waren. Als ein paar Leute aus der Moschee kamen und wohl gucken wollten, was da passiert, wurden sie aufgeklärt. Das muss die Polizei ziemlich gut hin bekommen haben, denn vereinzelt wurde uns danach sogar zugewinkt.




Im Schutz des Polizeiautos, das uns auf der Straße sicherte, ging es weiter. Unterwegs gab es einige Reaktionen, alle positiv. Mal rannte jemand hinter uns her und wollte unbedingt ein Foto machen, mal verbeugte sich jemand, der uns fotografierte, anschließend vor uns. Es schlossen sich Leute an und vor St. Moritz, dem zweiten Hort des Aberglaubens, für den wir vom Monster Erleuchtung erbaten, waren wir schon ein paar Leute mehr.


Am Ende waren wohl knapp zwanzig Leute dabei und etwa genau so viel kamen auf dem Rathausplatz noch einmal dazu.





Die Nudelmesse dort hielt unser neuer stellvertretender Vorsitzender, Erik Eliche.





Nur beim heiligen Abendmahl half auch Bruder Spaghettus mit, sonst wäre das einfach zu lang geworden. Der hielt dann zum Abschluss der Messe auch die Predigt.


Die ging so:

Ich weiß, liebe Brüder und Schwestern, was ihr gerade am dringensten von mir wissen wollt:

Wie geht es weiter im Kampf um die Nudelmessenhinweisschilder in Templin.
Viel ist da doch ziemlich falsch in den Medien rüber gekommen, wohl auf Grund einer nicht wirklich stimmigen dpa-Meldung. 

Deshalb gleich zu erst: Nein, das Gericht hat nicht entschieden, dass die Nudelmessenhinweisschilder weg müssen. Es hat nur entschieden, es gibt keinen gültigen Vertrag zwischen dem Landesbetrieb Straßenwesen und uns, dass wir eigene Masten für sie bekommen.

Der hatte den nämlich einseitig gekündigt. Das aber war nur möglich, wenn etwas im Vertrag nicht stimmig war. In dem Fall war es der Zweifel, ob wir eine Weltanschauungsgemeinschaft sind oder nicht. Das Gericht hat uns diesen Status nicht zuerkannt, also war die Kündigung berechtigt, meint jedenfalls das Gericht. 

Wir sehen das anders. Wir sind überzeugt das Gericht lag falsch, in dem es sich bei der Aussage nur auf einen ganz konkreten Teil des eines Absatz 1 des Paragraphen 2 unserer Satzung bezogen hat, in dem es um das Fliegende Spaghettimonster geht. 
In diesem Abschnitt wurde aber nicht das Vereinsziel an sich beschrieben, sondern nur, wie wir das Spaghettimonster zum Erreichen eben dieses Zieles nutzen. Das sollte eigentlich völlig klar sein, wenn man den ganzen Paragraphen im Zusammenhang liest:

§ 2 Zweck, Gemeinnützigkeit
(1) Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck des Vereins ist die Förderung von
 -   religiösen Zwecken in ihrer Gleichbehandlung mit wissenschaftlich orientierten Weltanschauungen und einem besonderen Schwerpunkt auf dem evolutionären Humanismus der Giordano Bruno Stiftung. 
In diesem Sinn verstehen wir uns als Weltanschauungsgemeinschaft.
 -      Bildung und Erziehung 
 - Kunst und Kultur.                   

Die Religionssatire des Fliegenden Spaghettimonsters wird als künstlerisches Mittel genutzt, um in satiretypischer Art intolerante und dogmatische Anschauungen und Handlungen zu überhöhen und zu hinterfragen. Damit fördert der Verein die Verbreitung einer offenen und toleranten Ethik im Sinne des evolutionären Humanismus und wirkt so an der öffentlichen Meinungsbildung mit. Als Mittel zur Verfolgung dieser Ziele nutzt der Verein beispielsweise die Veranstaltung und Teilnahme an öffentlichen Versammlungen, die Bereitstellung und Verteilung von Informationsmaterial, die Veranstaltung von Messen, sowie die Teilhabe an sozialen Netzwerken. Weiterhin soll die Öffentlichkeit durch den Betrieb einer Internetseite bzw. eines Blogs sowie durch Präsenz in den  Massenmedien erreicht und so die öffentliche Diskussion um weltanschauliche und Wertefragen im Sinn von Humanismus und Aufklärung bereichert werden.

Das Gericht hat weiterhin bemängelt, dass wir keine gemeinsamen Werte aus einer Weltanschauung ableiten. Hat es nicht bis zum § 3 weiter gelesen oder unterstellt es allen unseren Vereinsmitgliedern, sie würden durchweg gegen die Satzung verstoßen?

Dort heißt es 

§ 3 Wertebildung und Umsetzung
(1) Die Vereinsmitglieder richten ihre Ethik an den 8 Am Liebsten Wäre Mirs und den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus aus. 

(2) Sie kennen keine Dogmen, sondern überprüfen ihre gefundenen Einstellungen und Festlegungen immer wieder an der sich ändernden Realität und passen sie an, wenn neue Erkenntnisse und Erfahrungen das erfordern. 

Der evolutionäre Humanismus beinhaltet einen klaren Naturalismus und bietet somit eine umfassende Erklärung der Welt, wie es für eine Weltanschauung typisch ist. 

So ist dann auch auf unserer Website unter „Weltliches“ zu lesen:

„Wir in der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. haben uns deshalb entschieden, die Verbreitung einer offenen und toleranten Ethik zu fördern und dabei auf wissenschaftliche Weltanschauungen, wie den evolutionären Humanismus, zu setzen. Wir vertreten und verbreiten einen konsequenten Naturalismus. Das heißt, auf der Welt geht alles natürlich zu, da sind keine Feen, Elfen, Götter, Wichtelmänner, Trolle oder ähnliche Märchenfiguren. Die Welt wurde nicht erschaffen, sondern entstand, und lässt sich wissenschaftlich erklären.
Dabei haben wir keine Angst, nie zur vollen Erkenntnis zu gelangen. Wir sollen ja sowieso an allem zweifeln, von da bis zum nicht alles wissen können ist kein großer Unterschied.

So verstehen wir uns denn auch als Weltanschauungsgmeinschaft.“

In Deutschland gibt es etwas 15.000 bis 20.000 Pastafari. Nur etwa 300 sind in unserem Verein. Für mich ein klares Indiz, es sind wirklich nur die eingetreten, die auch zu unserer Satzung stehen. 
Mal ganz abgesehen davon, dass sich jeder beim Beitritt sowieso dazu verpflichtet. 
Wir sind deshalb weiter davon überzeugt, wir verstehen uns völlig zu Recht als Weltanschauungsgemeinschaft. Wir sind weiterhin völlig überzeugt, diese Ansicht wird auch gerichtlich bestätigt werden. Das Urteil des OLG Brandenburg ist ein klares Fehlurteil. 

Deshalb, liebe Schwestern und Brüder, tapfere Piraten und Freibeuterinnen, werden wir als nächstes beim Bundesgerichtshof eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision durch das OLG einlegen. 

Führt das nicht zum Erfolg, werden wir das Bundesverfassunggericht anrufen. 

Der Kampf geht weiter, wenn es sein muss, auch bis nach Luxemburg. 

RAmen

03.08.2017

DWZF - Außergewöhnliche Sehenswürdigkeit "Nudelmessenhinweisschild"


Wir merken ja schon lange, wie wir immer mehr im der Normalität ankommen. Schon längst sind wir Thema in Schulen, bei Beleg- und Abiarbeiten und gehen auch selbst dort hin. Man braucht kaum noch einem Journalisten erklären, worum es uns geht, wir tauchen in Quizsendungen auf, kurz, uns begegnet man überall.
Sogar Wikipedia berichtet über uns nicht mehr nur unter "Spaghettimonster", sondern auch unter "Templin" und bringt ein Bild von unseren Nudelmessenhinweisschildern.

Was aber nun kommt, hat auch mich völlig überrascht.
Eben diese Nudelmessenhinweisschilder zählen inzwischen zu den 11.000 außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten weltweit!

Jedenfalls, wenn man atlasobscura als Maßstab nimmt. Dort stehen wir z.B. mit dem Rathausglockenspiel von München, der Dresdner Schwebebahn und dem Mauerweg von Berlin auf einer Stufe.

Unter Weltreisenden scheint es auch nicht unüblich zu sein, sich nach diesem Atlas zu richten. Das tat jedenfalls Constantinos Koushiappis, ein völlig griechisch-unorthodoxer Zypriote, der mit seinem Motorrad auf Europatour ist. Ihn hatte atlasobscura letzten Freitag zu uns geführt.

Wir kamen so sehr ins Reden, dass er dann gleich über Nacht blieb. 



Wenn ich da noch an das Geschrei denke, das manche erhoben, als wir die Schilder aufgehangen haben. Die ganze Welt würde angeblich über Templin lachen.

Nun ist das ganze Gegenteil der Fall, denn nicht nur hier zeigt sich, wir machen unsere Stadt weltweit bekannt. Ich denke, da können wir ein bisschen stolz auf uns sein.





02.08.2017

Klage abgewiesen - Revision nicht zugelassen....



....das hat das OLG Brandenburg heute verkündet.

Von uns war niemand vor Ort, nach Angaben von Journalisten, die bei mir nachgefragt haben, wurde das Urteil aus unserer Satzung begründet. Nach der wäre der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V." keine Weltanschauungsgemeinschaft, da wir keine gemeinsame Sicht auf die Welt haben aus der wir Werte ableiten, sondern nur Kirche parodieren. 


Sehr merkwürdig, zu diesem Ergebnis zu kommen und sich dabei noch auf unsere Satzung zu berufen:

§2
...Zweck des Vereins ist die Förderung von religiösen Zwecken in ihrer Gleichbehandlung mit wissenschaftlich orientierten Weltanschauungen und einem besonderen Schwerpunkt auf dem evolutionären Humanismus der Giordano Bruno Stiftung...

§ 3 Wertebildung und Umsetzung
(1) Die Vereinsmitglieder richten ihre Ethik an den 8 Am Liebsten Wäre Mirs und den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus aus.
(2) Sie kennen keine Dogmen, sondern überprüfen ihre gefundenen Einstellungen und Festlegungen immer wieder an der sich ändernden Realität und passen sie an, wenn neue Erkenntnisse und Erfahrungen das erfordern.

Der evolutionäre Humanismus gilt weltweit als Weltanschauung. Das hatte in einem anderen Verfahren auch das Potsdamer Verwaltungsgericht so gesehen. Dort wurde unsere Anerkennung in der mündlichen Begründung abgelehnt,  da es sich nicht um eine eigene, sondern nur um eine übernommene Weltanschauung handelt.
Nach dieser Logik dürfte es auch bei Christen nur eine zugelassene Urform geben, alle anderen haben ja auch nur übernommen.

Auf unsere Webseite ist zu lesen:

"Wir vertreten und verbreiten einen konsequenten Naturalismus. Das heißt, auf der Welt geht alles natürlich zu, da sind keine Feen, Elfen, Götter, Wichtelmänner, Trolle oder ähnliche Märchenfiguren. Die Welt wurde nicht erschaffen, sondern entstand, und lässt sich wissenschaftlich erklären. 
Dabei haben wir keine Angst, nie zur vollen Erkenntnis zu gelangen. Wir sollen ja sowieso an allem zweifeln, von da bis zum nicht alles wissen können ist kein großer Unterschied. 

So verstehen wir uns denn auch als Weltanschauungsgmeinschaft."
Direkt im Anschluss folgen die "10 Angebote des evolutionären Humanismus".

Mit dem Naturalismus haben wir ein geschlossenes Weltbild, mit den 10 Angeboten und den 8 Am Liebsten Wäre Mir´s daraus abgeleitete gemeinsame Werte.

Wie man das übersehen kann, ist mir schleierhaft.

Was bleibt zu tun?

Natürlich erst mal die schriftliche Urteilsbegründung abwarten.
Sehr wahrscheinlich werden wir dann eine Nichtzulassungsbeschwerde einreichen.

Es könnte sich aus dem Urteil aber auch ergeben, dass unsere Satzung, vielleicht sogar unsere Ausrichtung verbesserungswürdig sind. Dann wäre es auch ein Weg, das zu verbessern und dann mit einer gerichtsgerechten Satzung unseren Antrag auf Nudelmessenhinweisschilder noch mal beim Landesbetrieb Straßenwesen zu stellen.

Ob aber so oder anders, eins ist sicher:

Unser Kampf geht weiter.  
Wer mit seiner Spende dazu beitragen möchte zeigt uns damit auch, dass dieser Kampf sinnvoll und notwendig ist.


Nachtrag:

Ihr seid Spitze. Paypal sagt, wir bekommen bereits eure Spenden.
Da bisher die meisten direkt auf unser Konto eingezahlt haben, auf dem erst morgen verbucht wird, sind ganz sicher wesentlich mehr eingegangen. Weiter so! :)


Aber es gibt noch einen anderen Weg zu helfen. Heute sind vier neue Mitgliedsanträge eingetroffen, deren Begründung ich euch unbedingt mitteilen wollte.

"
Gerne möchte ich mich euch anschliessen und in diesem wunderbaren Verein Mitglied werden.
Ich glaube schon ganz fest an das fliegende Spaghettimonster, ja, ich glaube es ist mir schon mehrfach 
erschienen.

Ich freue mich, nicht nur Säkularer Humanist sein zu dürfen, sondern jetzt auch endlich wieder den 
wahren Glauben gefunden zu haben.

Fun-Thomas"


"Aloha
Schade, dass es vor Gericht noch nicht so gut gelaufen ist. Dran bleiben!

Durch meine Mitgliedschaft möchte ich gern Satzung, Zweck und Aufklärung unterstützen: lasst mich mitspielen!

Satzung: gelesen
ALWM: gelesen
10 Angebote: gelesen

Alles für gut befunden.

Bojenkommandant Holger"

"Jetzt erst recht! Wir lassen uns nicht weichkochen!
Nie war es wichtiger als heute, und-bitte- in Anbetracht der tagesaktuellen Ereignisse, betrachtet die Überweisung als Spende und zieht in diesemJahr schon mal kräftig ein. 
Ich bin gerade aus Italien zurück, und werde versuchen mindestens einmal im Jahr nach Templin zu pilgern. 

Saluti
Uccellone"

"Ahoi liebe Schwestern und Brüder und alle, die sich nicht entscheiden können,

es ist an der Zeit, den großen sogenannten Weltreligionen die Stirn (und vor allem das Hirn dahinter) zu bieten!
Mit meinem Beitritt in Eure Kirche möchte ich Euch auf Eurem Weg begleiten, eine Weltanschauung zu verbreiten, die auf Fakten, gesundem Menschenverstand und einem friedlichen Miteinander beruht.
Eine Weltanschauung, die nicht versucht Mythen und Märchen als sogenannte Wahrheit zu verkaufen und in deren Namen zu stehlen, zu unterdrücken und im schlimmsten Fall sogar zu töten. 

Hiermit bitte ich feierlich um die Aufnahme in die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.

Bonny Coccioletta"

Ich denke, nun könnt ihr nachvollziehen, warum ich wieder mal richtig stolz auf euch bin. :)

27.07.2017

Das Wort zum Freitag - Rechtsbruch im Gymnasium?



ein Gastbeitrag von Cpt. Booyah


Staatlich finanzierte Missionierung, auch Religionsunterricht genannt, lässt sich Vater Staat einiges kosten. Im Jahr 2014 waren das schlappe 3,5 Milliarden Euro. Zum Glück kann man sich in Brandenburg auch für LER (Lebenskunde, Ethik, Religion) entscheiden. Man könnte sich jetzt fragen, warum im Ersatzfach LER trotzdem Religion eine Rolle spielt, aber Schwamm drüber. Hauptsache keine Zwangsmissionierung im Originalfach, vom teuer ausgebildeten Theologen. Dessen Studium, bzw. Märchenkunde mit Rhetorikkurs, wird selbstredend ebenfalls aus dem allgemeinen Steuersäckel finanziert. Das waren im Jahr 2014 bescheidene 0,65 Milliarden Euro.

Nun war es soweit, mein Kind kam aufs Gymnasium, in einer beschaulichen Kleinstadt im Land Brandenburg. In freudiger Erwartung uns für LER entscheiden zu können, wälzten wir die ersten Unterlagen. Ein Stundenplan, seitens der Schule, war auch schon angefertigt. Beim Studium des Stundenplans wurde ich das erste mal stutzig. LER lag in einer Randstunde und Religionsunterricht irgendwo mitten drin. Schlagartig war es mit der Freude vorbei. Wenn mein Kind LER machen will, muss es an einem Tag in der Woche zwei Stunden länger in der Schule bleiben, während die Kinder die Reli machen, zwei Stunden früher nach Hause dürfen. Ok, dachte ich, das Problem lässt sich doch sicher beheben. Schließlich heißt es in unserem Grundgesetz Artikel 3 Absatz 3 „Niemand darf wegen […] seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. ...“

Also setzte ich mich mit dem Schulleiter in Verbindung, um ihn auf diese Benachteiligung hinzuweisen und eine Lösung herbeizuführen. Ich unterbreitete ihm auch gleich Vorschläge, wie man diese Benachteiligung verhindern könnte. Zum Beispiel könnte man LER und Reli parallel in einer Randstunde stattfinden lassen. Wenn das nicht möglich wäre, dann eben ein Doppelblock im zweiwöchigen Wechsel zwischen LER und Reli natürlich wieder in Randstunden, damit kein Kind einen Nachteil hat. Die Antwort des Schulleiters viel sinngemäß so aus: „Es wird keine Änderung geben, da sich ohnehin die Mehrheit der Kinder für Reli entscheiden würde, wurde LER in die Randstunde gelegt.“ Der blanke Hohn! Warum sich so viele Kinder für Reli entscheiden liegt ja auf der Hand. Kein Kind will freiwillig an einem Tag pro Woche zwei Stunden länger in der Schule bleiben. Kaum vorstellbar, dass in einem Bundesland mit 76% Konfessionsfreien, plötzlich so Viele Interesse für die Lehre von bronzezeitlichen Moralvorstellungen haben sollen.

Der Schulleiter, teilte mir auch noch eine Latte an Gesetzen mit, die den Umgang mit der Märchenstunde regeln. Unter anderem stieß ich auf ein Gesetz in der RWUV (Religions- und Weltanschauungsunterrichtsverordnung). In §8 Abs. 2 heißt es: „Bei der Gestaltung des Stundenplans sieht die Schule unter Nutzung aller schulorganisatorischen Möglichkeiten die Einordnung des in der Schule stattfindenden Religionsunterrichts in die regelmäßige Unterrichtszeit vor. Der Religionsunterricht soll nicht nur in Randstunden erteilt werden.“ 

Eine derartige Bestimmung über LER habe ich nicht gefunden.  
Per Gesetz verordnete Schikanen, um die Kinder in Reli zu zwingen? 
Mit einem religiös-weltanschaulich-neutralen Staat hat das aber mal gar nichts zu tun!
 Anwälte, die wissen, wie man dagegen vorgehen könnte, können sich gern bei mir melden. Ich trinke jetzt erst mal eine Buddel Rum zur Beruhigung.

Wen es interessiert, für das Gesetz ist offensichtlich Martina Münch verantwortlich. Katholisch, geboren in Heidelberg, 7 Kinder, SPD. Ob das Absicht ist, dass uns hier, im konfessionsfreien Osten, extra streng religiöse Politiker aus dem Westen vorgesetzt werden, um die Missionierung des Ostens voran zu treiben? Anhand solcher Gesetze scheint es mir jedenfalls so.

Kommentar von Spaghettus:

Der Anwalt, den Cpt. Booyah sucht, bin ich nicht. Aber in unseren Rechtsstreitigkeiten habe ich doch so viel mit bekommen, dass ich die Überschrift, die von mir stammt, für gerechtfertigt halte.
Die Frage ist allerdings, wer verantwortlich für den Rechtsbruch ist.

In Deutschland sind Welt- und Religionsgemeinschaften gleichgestellt. Wurde das Gesetz in diesem Sinne erlassen, darf LER genau wie Religionsunterricht nicht nur in den Randstunden erteilt werden. In dem Fall wendet die Schule das Recht falsch an und ist verantwortlich.

Wurde das Gesetz nicht unter diesem Aspekt der Gleichberechtigung erlassen, soll die Bestimmung also tatsächlich nur für Reli gelten, ist das ebenfalls ein Rechtsverstoß. Er benachteiligt nicht nur  Weltanschauung im Vergleich mit Religion, er benachteiligt auch ein freiwilliges Fach im Vergleich mit einem anderen.
In dem Fall wäre das Land Brandenburg verantwortlich.

Ob aber nun so, oder anders, allein aus Gerechtigskeitsgefühl heraus, einem Gefühl, das auch Schülern vermittelt werden sollte,  ist der jetzige Zustand nicht hinnehmbar.

Es muss sich etwas ändern an diesem Gymnasium.